* LESEPROBEN

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Nur fia di

 

Du bist die Frau fia de i – eventuell – olles tua,

sog nur a Wurt und i bin furt und ah scho durt!

Schick mi aons End vo da Wöld ohne Göld.

Schick mi in Köller, daonn bin i schnöller

wieder do.

 

Nur fia di schwimm i goar durch die Pinka,

pflück Edelweiß gaonz obm am Gschriebnstan,

hear nochn zehntn Viertl auf zan trinka

und kumm vuarn Sunnenaufgaong zu dir ham.

 

Sog ma, wos d’brauchst, ’s gheart praktisch scho dir.

Kummt da-r-ana bled, sogt er sei letztes Gebet.

Bin allzeit bereit, liaber muargn, oba ’s geht ah scho heit.

I bin der Maonn, der fia di olles kaonn,

waonn er nur wüll.

 

Nur fia di ruder i iwan Neifölda See,

putz ma zwamol am Tog meine Zähnd,

suach stundnlaong a dreiblättrigs Blattl vom Klee

und wosch ma noch jedn Klogaong die Händ.

 

Wosd mi hinstöllst steh-r-i vazierend umanaond,

oba sunst immerfuart hinter dir – host mei Wurt.

Wal, wurscht ob’s stürmt oder schneit

oder d’Schwiegermuada leit,

hinter dir is mei Plotz, mei einlodend auslodender Schotz,

so dass i siach, wos i aon dir hob!

 

Nur fia di scholt i aom Musikantstodl um,

iss die Wurscht niamermehr vom Papier,

bring auf d’Nocht siebn Gölsn mit an Hauspotschn um

und fruahstuck Vullkurnbrot zu mein Bier.

 

Schatz, ich liebe den Mann,

den du aus mir gemacht hast.

Du auch?


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B 50

 

A Kreizal aon der B 50, des is mei Dram,

wal auf der B 50, do bin i daham.

Oll meine Freind hobn durt 's junge Lebm glossn,

nur i glüh no immer im VW iber d’Stroßn.

 

B 50, B 50, wos warat ma ohne di?

Wos warat des Laond und wos warat i?

Gibst Leben und nimmst es ah wieder furt,

oba d’Hauptsoch is, mir sein schnöller durt.

 

A Kreizal aon der B 50, des is mei Dram,

durt kenn’ i jede Kurvn, kenn’ jedn Bam.

Und jeder Kieberer zwischen Hartberg und Kittsee,

der waaß, durt kummt der Fredl in sein VW.

 

B 50, B 50, wos warat ma ohne di?

Wos warat des Laond und wos warat i?

Bist die Stroßn, de wos olls zsammenholt,

di wird’s no immer gebn, wo mir sein längst kolt.

 

A Kreizal aon der B 50, des is mein Dram,

wal auf der B 50, do draht mi’s Schicksol ham.

Jo, i gspias im Benzin, dass i der Nächste bin,

drum steig i aufs Gas und leg an Endspurt hin.

 

B 50, B 50, wos warat i ohne di?

A Kreizal is jetzt die Erinnrung aon mi.

Wer vorbeifoahrt, denkt aon mi und tuat betn:

Der Fredl is in Himmel, nur sei VW woar niamer zan rettn.


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Friedhofsgaude

 

I holt mi gern aom Friedhof auf,

do gspiar i, dass i leb,

a jeds Begräbnis is a Fest,

des glei mei Stimmung hebt.

Wer untn liegt hot scho valuarn,

drum bleib i obenauf,

taonz Samba aufm Leichnschmaus

und schiab die Trauer auf.

 

I holt mi gern aom Friedhof auf,

do wird mir niemols fad,

sogor mei Olde losst mi redn

und is gaonz stüll und stad.

Seit sie lag unterm LKW

ist d’Liab no gräßer gwordn,

an gaonzn Tog bin i bei ihr –

daonn derf i wieder foahrn.

 

I holt mi gern aom Friedhof auf,

waonn i kaonn oben stehn,

waonns mi frogts, sulln di aondern sterbn,

i brauchs net wiedersehn.

Wias glebt haom woarns nur holb so nett,

haom nur Probleme gmocht,

so vül wia heit, wos untn liegn,

hobm mia sunst söltn glocht.


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© Gernot Schönfeldinger